Ratgeber
Fotografieren, Zeugen suchen, Anzeige bei der Polizei erstatten. Wird der Verursacher ermittelt, zahlt seine Kfz-Haftpflichtversicherung. Bleibt er unbekannt, zahlt in der Regel nur Ihre eigene Vollkasko, mit Selbstbeteiligung und Rückstufung.
Stand: 24.09.2026 · KFZ-Sachverständigenbüro Florian Pudwell, Rosengarten
Das Wichtigste in Kürze
Allein im Landkreis Harburg hat die Polizei 2025 1.696 Unfallfluchten gezählt, fast jeden vierten Unfall. Aufgeklärt wurde nicht einmal die Hälfte. Verletzte gibt es dabei selten: In den Inspektionen Rotenburg und Lüneburg waren 2025 mehr als 93 Prozent der Unfallfluchten reine Sachschäden. Typisch ist der Parkschaden: Sie kommen zum Auto zurück, und die Stoßstange ist eingedrückt. Dieser Ratgeber erklärt aus der Sicht des Geschädigten, was jetzt zu tun ist und wer den Schaden bezahlt.

Wer an einem Unfall beteiligt ist, darf sich nicht einfach entfernen. Er muss seine Beteiligung vor Ort feststellen lassen oder eine angemessene Zeit warten und die Feststellungen danach unverzüglich nachholen, bei Ihnen oder bei der Polizei (§ 142 StGB). Ein Zettel an der Windschutzscheibe allein genügt dafür nicht. Eine bestimmte Wartezeit schreibt das Gesetz nicht vor.
Für Sie als Geschädigten heißt das: Eine Frist für die Anzeige gibt es nicht, denn die Unfallflucht wird von Amts wegen verfolgt und nicht erst auf Ihren Antrag. Sie können einen Parkschaden also auch nachträglich anzeigen, etwa wenn Sie ihn erst zu Hause bemerken. Je früher Sie es tun, desto eher lassen sich Spuren sichern und Zeugen finden.
Kennen Sie das Kennzeichen des Verursachers, kann die Polizei den Halter ermitteln. Auch die Zulassungsbehörde nennt Ihnen den Halter, wenn Sie darlegen, dass Sie die Angaben für Ansprüche aus einem Unfall brauchen (§ 39 Straßenverkehrsgesetz).
1.696
Unfallfluchten 2025 im Landkreis Harburg
Aufgeklärt wurden rund 43 Prozent. Im Landkreis Rotenburg (Wümme) waren es 1.076 Unfallfluchten, aufgeklärt wurden 37,64 Prozent.
Quelle: Polizeiinspektion Harburg und Polizeiinspektion Rotenburg, Verkehrsunfallstatistik 2025, April 2026
Dann ist es ein gewöhnlicher Haftpflichtschaden. Der Halter des anderen Autos haftet für Schäden aus dem Betrieb seines Fahrzeugs (§ 7 Straßenverkehrsgesetz), und Sie können sich direkt an seine Kfz-Haftpflichtversicherung wenden (§ 115 Versicherungsvertragsgesetz). Dass der Verursacher geflüchtet ist, schadet Ihnen nicht: Seine Versicherung reguliert Ihren Schaden und kann sich das Geld anschließend bei ihm zurückholen.
Ersetzt werden die unfallbedingten Schäden, also die Reparaturkosten, gegebenenfalls eine Wertminderung, Nutzungsausfall oder Mietwagen und die Kosten eines erforderlichen Gutachtens. Den Sachverständigen dürfen Sie selbst wählen (BGH, Urteil vom 12.03.2024, VI ZR 280/22). Ob sich ein Gutachten lohnt, hängt von der Höhe des Schadens ab, mehr dazu im Ratgeber Gutachten oder Kostenvoranschlag.
Seine Pflichten hat er damit zwar nicht erfüllt, an Ihrem Anspruch ändert das aber nichts. Nehmen Sie Kontakt auf und lassen Sie sich die Versicherung nennen. Meldet er sich nicht oder bestreitet er den Schaden, gehen Sie zur Polizei.
Wollen Sie Rechte aus dem Straßenverkehrsgesetz geltend machen, müssen Sie den Unfall dem Ersatzpflichtigen spätestens zwei Monate nachdem Sie Schaden und Person kennen anzeigen (§ 15 Straßenverkehrsgesetz).
| Ihre Lage | Wer den Schaden am Auto zahlt |
|---|---|
| Verursacher bekannt | seine Kfz-Haftpflichtversicherung |
| Verursacher unbekannt, Sie haben eine Vollkasko | Ihre Vollkasko, abzüglich Selbstbeteiligung und mit Rückstufung |
| Verursacher unbekannt, nur Teilkasko oder Haftpflicht | in der Regel niemand, Sie tragen den Schaden selbst |
Vollkasko: Sie deckt Unfallschäden und mut- oder böswillige Handlungen Unbefugter (AKB 2015, A.2.2.2). Ihr Vertrag wird dann in der Regel zurückgestuft, und eine vereinbarte Selbstbeteiligung wird abgezogen. Wertminderung, Nutzungsausfall und Mietwagen ersetzt die Kasko nach den Musterbedingungen nicht, einen Sachverständigen nur, wenn sie ihn veranlasst oder zugestimmt hat. Fragen Sie vorher, wie sich die Meldung auf Ihren Beitrag auswirkt. Bei kleinen Schäden kann es günstiger sein, selbst zu zahlen.
Teilkasko: Sie deckt Beschädigungen durch ein anderes Auto nach den Musterbedingungen nicht. Nur Glasschäden, etwa ein zerbrochenes Spiegelglas, können darunter fallen. Prüfen Sie Ihren Vertrag.
Verkehrsopferhilfe: Der gesetzliche Entschädigungsfonds springt ein, wenn das Fahrzeug des Schädigers nicht zu ermitteln ist, für den Schaden an Ihrem Auto aber nur, wenn bei demselben Unfall ein Mensch getötet oder erheblich verletzt wurde, und dann nur für den Betrag über 500 Euro. Zudem geht eine eigene Kasko vor (§ 12 Pflichtversicherungsgesetz). Beim typischen Parkschaden ohne Verletzte zahlt der Fonds deshalb nichts.
Hat Ihre Kasko bereits gezahlt, geht Ihr Ersatzanspruch gegen den Verursacher auf sie über, soweit sie den Schaden ersetzt hat (§ 86 Versicherungsvertragsgesetz). Erstattet der Schädiger oder seine Versicherung der Kasko die Entschädigung vollständig, gilt Ihr Vertrag nach den Musterbedingungen trotz der Schadenmeldung als schadenfrei (AKB 2015, I.4.1.2).
Was die Kasko nicht übernommen hat, etwa die Selbstbeteiligung, eine Wertminderung oder den Nutzungsausfall, können Sie dann beim Verursacher und seiner Versicherung geltend machen. Wie das im Einzelnen zu verrechnen ist, klären Sie am besten mit einem Anwalt für Verkehrsrecht.
Ja. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wird von Amts wegen verfolgt, eine Frist für Ihre Anzeige gibt es deshalb nicht. Zeigen Sie den Schaden trotzdem so früh wie möglich an, solange sich Spuren sichern und Zeugen finden lassen. Die Anzeige können Sie bei jeder Polizeidienststelle erstatten.
In der Regel nur Ihre eigene Vollkasko, abzüglich Selbstbeteiligung und mit Rückstufung. Die Teilkasko deckt solche Schäden nach den Musterbedingungen nicht. Ohne Vollkasko tragen Sie den Schaden meist selbst.
Nur, wenn Sie den Schaden über Ihre Vollkasko abrechnen. Zahlt die Versicherung des ermittelten Verursachers, betrifft das Ihren Vertrag nicht. Wird der Täter gefunden, nachdem Ihre Kasko gezahlt hat, und erstattet er ihr alles, gilt Ihr Vertrag nach den Musterbedingungen wieder als schadenfrei.
Beim typischen Parkschaden nicht. Für Schäden an Ihrem Auto zahlt der Entschädigungsfonds bei unbekanntem Schädiger nur, wenn bei demselben Unfall ein Mensch getötet oder erheblich verletzt wurde, und dann nur den Betrag über 500 Euro. Eine eigene Kasko geht vor.
Für den Verursacher nicht: Er muss warten oder die Feststellungen unverzüglich bei Ihnen oder der Polizei nachholen. Für Sie ist der Zettel trotzdem wertvoll, denn er nennt den Beteiligten. Fotografieren Sie ihn, heben Sie ihn auf und nehmen Sie Kontakt auf.
Ist der Verursacher bekannt und liegt der Schaden über der Bagatellgrenze, ist ein Gutachten meist sinnvoll, und seine Versicherung trägt in der Regel die Kosten. Bleibt er unbekannt und zahlt Ihre Kasko, erstattet sie einen Gutachter nur, wenn sie zugestimmt hat.
Nach den Musterbedingungen der Kfz-Versicherer innerhalb einer Woche. Vor der Reparatur holen Sie die Weisung Ihres Versicherers ein. Ihr eigener Vertrag kann andere Fristen nennen.
Dieser Ratgeber gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Was in Ihrem Fall gilt, hängt vom Einzelfall und von Ihrem Versicherungsvertrag ab.
Weitere Ratgeber
Schnelle Hilfe nach Ihrem Unfall. Füllen Sie das Formular aus. Wir melden uns in der Regel noch am selben Tag bei Ihnen.